Zipfs Gesetz: Die brutale Wahrheit über Vokabular
Der Linguist George Zipf hat in den 1940ern beobachtet: In jeder Sprache folgt die Worthäufigkeit einem dramatischen Muster.
- Die häufigsten 100 Wörter machen ~50 % jedes Textes aus
- Die häufigsten 1.000 Wörter decken ~75 % ab
- Die häufigsten 3.000 Wörter bringen dich auf ~85 %
- Die letzten 5 % erfordern weitere 20.000+ Wörter
Die brutale Wahrheit: 1000 Wörter decken 75 %, weitere 4000 nur die letzten 10 %.
Übersetzung: Wenn du die richtigen 1000 Wörter lernst, verstehst du drei Viertel von allem, was du hörst. Wenn du die falschen 1000 lernst, verstehst du vielleicht 30 %.
Welche Vokabeln zuerst lernen? Die Reihenfolge
Hochfrequente Wörter sind unspektakulär – aber sie sind das Skelett jeder Sprache:
- Pronomen, Artikel, Konjunktionen (alle!)
- Häufige Verben: sein, haben, machen, gehen, sagen, sehen, geben, kommen…
- Häufige Adverbien: schon, noch, dann, hier, immer, nie, viel, wenig
- Häufige Adjektive: groß, klein, gut, schlecht, neu, alt, viel, wichtig
Erst danach: Themen-Vokabular (Essen, Reisen, Beruf) – und auch das nach Häufigkeit, nicht alphabetisch wie im Lehrbuch.
Frequenzlisten Spanisch und Deutsch: Wo findest du sie?
- Spanisch: Wiktionary Top 1000 Spanisch, Routledge's „A Frequency Dictionary of Spanish"
- Deutsch: Leipziger Wortschatz, Routledge's „Frequency Dictionary of German"
- Englisch: NGSL (New General Service List) – 2800 Wörter für 92 % Coverage
Die Grenze von Frequenzlisten
Wenn du 1000–2000 Wörter kannst, hast du das Skelett. Danach wird Frequenz weniger nützlich: das 5000. häufigste Wort taucht vielleicht alle 2 Wochen auf. Ab dieser Stufe lohnt sich Comprehensible Input mehr (Podcasts, Bücher, Serien) – du sammelst dort genau die Wörter, die in deinem Leben vorkommen.